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Am 29.7.2017 ist in der Stadtbachstraße ein 69jähriger Mann bei einem Radfahrerunfall ums Leben gekommen. Offenbar ist er vom dortigen Radweg gestürzt, sodass eine herannahende Autofahrerin nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte.

Das dort platzierte Ghostbike ist im Rahmen des Ride of Silence aufgestellt worden, einer Gedenk- und Demonstrationsfahrt für mehr Einsatz für die Verkehrssicherheit. Für weitere Hintergründe, siehe auch der Artikel Rechtsabbieger, Radwege und Geisterräder.

Verkehrspolitisches Grundsatzprogramm des ADFC Augsburg

 

Unsere Vorstellung, wie eine Stadt lebenswerter wird

»Raumplanung und Stadtentwicklung müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Radfahren im Vergleich zu konkurrierenden Verkehrsmitteln attraktiv ist und bleibt.«1 Nur so lässt sich eine lebenswerte Stadtentwicklung vorantreiben.

Unsere Positionen

  • Wir sind Ansprechpartner für das Tiefbauamt hinsichtlich Verkehrspla­nungen und Anordnungen, die den Radverkehr betreffen.
  • Wir fordern konsequente Kontrollen gegen Falschparker und falsche Baustellenbeschilderungen, um Behinderungen des Radverkehrs zu beseitigen. Auch auf Radverkehrsanlagen muss eine eindeutige und stetige Führung der Radfahrenden gewährleistet sein.
  • Wir halten es für notwendig, dass die Kommunen ihren Bürgern zeitnah geplante Maßnahmen kommunizieren. Sie sollen dabei erklären, warum einzelne Maßnahmen durchgeführt werden, und wie diese sich auf das Radfahren auswirken.
  • Um die Mobilität für Alle zu fördern, wünschen wir uns von den Kommunen die Unterstützung der gemeinnützigen Fahrradwerkstätten, wie z. B. Kette & Kurbel oder der Bikekitchen.
  • Wir fordern ein Ende der Bevorzugung des KFZ-Verkehrs. Eine Belohnung für Autofahrer, wie z. B. die Semmeltaste, widerspricht einer nachhaltigen Verkehrsgestaltung. Stattdessen sollte in die andere Richtung gedacht werden, also z. B. Vergünstigungen für Bürger, die den Umweltverbund nutzen.
  • Wir sind für die Einrichtung von lokalen, radbasierten Liefer­diensten sowie eines öffent­lichen Lastenradverleihs.
  • Basierend auf dem nationalen Radverkehrsplan 2020 fordern wir jährliche Investitionen in den Radverkehr von mindestens 15 € pro Einwohner. Das wären im Fall von Augsburg 4,5 Millionen Euro. Kosten-Nutzen-Untersuchungen, die die externen Kosten der Mobilität berücksichtigen2, zeigen: Die Allgemeinheit profitiert von der Förderung des Radverkehrs sogar, etwa wegen positiver gesundheitlicher und ökologischer Aspekte.
  • Die Fußgängerzonen der Innenstädte sollten als »Fairnesszonen« ausgewiesen werden, wo Fußgänger und Radfahrer die Flächen rücksichtsvoll gemeinsam nutzen. Das Beispiel Wien zeigt, dass das funktioniert3.

Mehr Details, und Hintergründe zu den Positionen und Forderungen des ADFC Augsburg finden Sie in unserem Verkehrspolitischen Grundsatzprogramm (Stand 18. Februar 2017).

1 Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (Bundesverband) e. V., »Wir bewegen was! Das Verkehrspolitische Programm des ADFC« (2013) (zuletzt abgerufen am 24.12.2016).

2 Meschik Michael, »Costs of Bicycle Traffic for the Overall Economy«, Michael Meschik & Gregor Trunk,. Institute for Transport Studies, BOKU Vienna (zuletzt abgerufen am 19.2.2017).

3 Befragungsaktion der IG Fahrrad »Konflikt- oder Fairnesszone?« am Donau­kanal (zuletzt abgerufen am 24.12.2016).

Radfahren macht Spaß, ist gesund, schnell, praktisch und günstig. Und vergleichsweise ungefährlich. Trotzdem zeigt ein Blick in die Unfallstatistik von Augsburg, dass es nicht vollkommen gefahrlos ist. Im Schnitt kommt jedes Jahr wenigstens ein Radfahrer allein im Stadtgebiet Augsburg ums Leben. (Unfallstatistik der Polizei 2014, Seite 59) Jetzt könnte man achselzuckend argumentieren, dass man ja immer ein Restrisiko habe. Die Aussage wäre sicherlich richtig, aber die Getöteten sind im Wesentlichen ja nur die Spitze des Eisbergs. Sieht man sich die Zahlen der Verletzten an, wird deutlich, dass es noch eine Menge Nachholbedarf in Sachen Unfallvermeidung gibt. Da sieht der Mittelwert der letzten 11 Jahre nämlich nicht mehr so rosig aus: Fast 500 Radfahrer werden jedes Jahr verletzt. Die Dunkelziffer aller nicht von der Polizei erfassten Unfälle würde diese Zahl jedoch sicherlich noch weiter in die Höhe treiben.

Am 10.12.2015 wurde zwischen dem Kreisverkehr am Mediamarkt Gersthofen und der Biberbachstraße eine 54-jährige Frau bei einen Unfall mit einem rechtsabbiegenden LKW getötet. Als Mahnmal wurde dieses Ghost-Bike aufgestellt. Wir bitten darum, im Andenken an die Verstorbene, dieses Ghost-Bike respektvoll zu behandeln.

Ghost-Bike in Gersthofen am Mediamarkt

Wir wünschen allen Angehörigen und Hinterbliebenen und ebenso dem LKW-Fahrer die Kraft, mit diesem Verlust umgehen zu können. Worte können hier nur wenig trösten. Was bleibt ist die Erinnerung daran wach zu halten, dass es hier um Menschenleben geht und sich dafür einzusetzen, dass so etwas nicht wieder vorkommt.

Das Ghost-Bike soll nicht nur daran erinnern was hier geschah sondern auch mahnen, dass es in Augsburg noch viel zu tun gibt, um die Verkehrssicherheit von Fuß- und Radverkehr zu gewährleisten. Verkehrsplanung und gegenseitige Rücksichtnahme müssen dazu Hand in Hand gehen. Gerade eine durchdachte Verkehrsplanung ist die Grundlage für sicheres Radfahren. Wir wünschen uns auf diesem Wege auch eine Verbesserung der Umstände, damit Unfälle dieser Art nicht wieder geschehen. Denn eigentlich möchten wir keinen Anlass haben, um Ghost-Bikes aufzustellen. Für weitere Hintergründe, siehe auch der Artikel Rechtsabbieger, Radwege und Geisterräder.

Zusätzliche Informationen