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Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Kreisverband ist zuständig für die Landkreise Augsburg sowie Aichach-Friedberg und die Stadt Augsburg. Dazu zählen natürlich auch Holzhausen, Gersthofen und Heretsried. Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, findet der in diesem Dreieck geplante Ausbau der St 2036 viel Widerstand, nicht nur in der Bevölkerung sondern auch in der Politik. An dieser Stelle möchten wir uns ebenfalls zu diesem Thema äußern, da es nicht zuletzt auch den Radverkehr, oder allgemeiner, die Möglichkeit, nachhaltiger Verkehrsplanung betrifft, was hier geplant wird.

Zunächst ein mal stellen wir fest, dass möglichst hohe Geschwindigkeiten für den KFZ-Verkehr kein Maßstab für sichere Verkehrsplanung ist. Und diese ist nach wie vor das oberste Gebot. Landstraßen sind statistisch gese­hen ohnehin die gefährlichsten Strecken für KFZ-Führer, was häufig auch an überhöhter Geschwindigkeit liegt. Die geplante Vergrößerung von Kur­venradien und andere Maßnahmen, die letztlich oberflächlich der Ver­kehrssicherheit dienen sollen, sind letztlich ein schlechter Tausch. Erfah­rungsgemäß werden Strecken, die wegen ihrer Übersichtlichkeit zum schnellen Fahren einladen auch genau so genutzt. Mit allen negativen Konsequenzen.

Nach unserem Wissen ist diese Straße bisher nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Die geplanten Änderungen könnten das möglicherweise umkeh­ren. Sollten Sie tatsächlich ernsthafte Bedenken bei der Verkehrssicherheit haben, schlagen wir dagegen vor, die Tempolimits an die örtlichen Gege­benheiten anzupassen. Denn im Zweifelsfalle geht die Verkehrssicherheit auch den Vorschriften nach der Flüssigkeit des Verkehrs vor.

Auch für den Radverkehr ist der geplante Umbau mit einem danach not­wendigen Seitenwechsel statistisch betrachtet genau das falsche Mittel, um Verkehrssicherheit zu erhalten. Gerade diese Querungsstellen sind erst recht gefährlich. Wenn diese Änderung durchgesetzt wird, kann man sich den Radweg im Prinzip auch gleich sparen, da dann auch die auf den um­gebenden Abschnitten gegebene Separierung maximal ungünstig unterbro­chen wird.

Die linksseitige Führung von Heretsried aus kommend hat jetzt schon den entschiedenen Nachteil, dass (wie zu dieser Jahreszeit doch recht oft zu er­leben) Dunkelheit letztlich abschnittsweise für Blindfahrten sorgt, da man in diesen Fällen ins asymmetrische Abblendlicht des KFZ-Verkehrs sehen muss. Man sieht dann auf dem Rad nichts mehr vom Weg vor einem. Die Situation ist also aus Sicht der Radverkehrssicherheit schon jetzt nicht optimal. Eine weitere Verschlechterung sorgt letztlich nur für noch weni­ger Bereitschaft, das Auto ggf. auch ein mal stehen zu lassen.

Was mich zum dritten, wichtigen Punkt führt: Laut vorliegenden Zahlen liegt die Verkehrsbelastung momentan bei ca. 3 300 KFZ/Tag. Das sind keine besonders großen Werte, verglichen z. B. mit den Verkehrsbelastun­gen im Stadtgebiet Augsburg. Diese Zahlen rechtfertigen keinesfalls einen Ausbau der Staatsstraße. Im Gegenteil, ist anzunehmen, dass rennstrecken­artige Optimierungen alsbald nur noch mehr Verkehr anziehen.

Denn wenn die Vergangenheit eines gezeigt hat, dann das mehr Straßen bzw. weiter ausgebaute Straßen letztlich die Verkehrsbelastung insgesamt nicht verringern, sondern sogar noch erhöhen. Man Denke nur an die Ent­wicklung der alten B17 bis heute: Der Verkehr ist deswegen nicht leichter abzuwickeln, nur noch mehr ist es geworden. Wenn Sie also an einer zukunftsfähigen Verkehrsplanung und -steuerung interessiert sind, sollten Sie schon gerade deshalb davon absehen, zu noch mehr KFZ-Nutzung ein­zuladen.

Eher könnten wir uns vorstellen, dass die Straße an sich instand gehalten/gesetzt wird, und ggf. auch auf der anderen Straßenseite ein Rad­weg angelegt wird, um Blendung durch den Gegenverkehr zu vermeiden. Auch dem Ziel, den Flächenfraß und die Versiegelung einzudämmen wür­de es mehr helfen, sich nicht auf kostspielige Ausbauten einzulassen, son­dern dagegen mehr in alternative Verkehrskonzepte zu investieren. Der ÖP(N)V wäre hier zu nennen. Die 5,4 Millionen Euro wären dort sicher besser angelegt, als in noch mehr Asphalt.

Es gäbe noch viele andere Aspekte, die dagegen sprechen, welchen Ihnen sicherlich auch schon von anderer Seite genannt wurden. Wir bitten daher noch ein mal nachdrücklich darum, den geplanten Kurs zu überdenken. Nicht nur für den Radverkehr, sondern allgemein für einen nachhaltigen Personenverkehr.

 

Mit freundlichen Grüßen,

das Vorstandsteam des ADFC Kreisverband Augsburg.

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