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Von der Notwendigkeit, bei Allen eine Verbesserung des Verkehrsverhaltens zu bewirken

Normalerweise sind Artikel wie dieser ja eher zum Frühling oder spätestens im Sommer zu erwarten. Ich hätte ja eher auf einen baldigen Lichter-Artikel getippt, aber der kommt sicher auch noch früh genug. Trotzdem stößt mir der Artikel etwas sauer auf. Schon bei der Priorisierung, was Radfahrer letztlich tatsächlich zu tun oder zu lassen hätten, setzt man offenbar eher auf fragwürdige Maßnahmen, statt auf das hinzuweisen, was ohnehin vorgeschrieben und bewährt ist: Ein StVZO-konformes Rad zum Beispiel. Elf Rückstrahler und zwei mal aktive Beleuchtung sollten wirklich ausreichen. Wer dann noch Westen tragen will, bitte. Aber die Priorität sollte ganz klar bei der Beleuchtung liegen, nicht beim Kleidungsstil.

Warum genau beim Radverkehr bleiben?

Herr Schwald macht sich aber auch Gedanken in die richtige Richtung. Auf die Aussage »Bei den Radfahrern hatten wir zuletzt eine Steigerung der Unfallzahlen um sieben Prozent.« folgt völlig richtig bemerkt: »Wenn mehr Radler unterwegs sind, steigen auch die Unfallzahlen.« Und dass die Zahlen in Augsburg steigend sind, ist inzwischen bekannt und erfreulich. Wenn man dann noch dazu nimmt, dass dieser Anstieg zwangsläufig vor allem aus jenen besteht, die vorher nicht, bzw. selten mit dem Rad unterwegs waren, wundert es auch nicht, wenn die Unfallhäufigkeit evtl. sogar überproportional steigt. Dem kann man aber auch abhelfen. Die Erfahrung kommt nur durchs Fahren. Aber die müsste man schon von Klein auf ermöglichen.

Für die Aussage »Dazu kommt, dass Radfahrer durch E-Bikes heute oft schneller unterwegs sind als früher.« hätten ich dann allerdings doch sehr gerne Belege. Überhaupt ist der ADFC Augsburg immer noch daran interessiert, die Rohdaten der Augsburger Unfallstatistik zu erhalten. Daraus kann man sicher noch einiges mehr lesen, als die Verfehlungen von Radfahrern. Das jährlich veröffentlichte PDF kennen wir bereits; da fehlt aber immer ein wenig für uns Interessantes.

Beim Satz »Zudem ist bei Radfahrern die Disziplin, sich an die Verkehrsregeln zu halten, nicht ganz so ausgeprägt.« muss ich dann aber endgültig einhaken und nachfragen, woher diese Einschätzung eigentlich kommt. Das halte ich persönlich für eine unbelegte Behauptung (um nicht zu sagen, eine unverschämte Unterstellung). Gerade weiter oben im Text erzählt man (bezogen auf Autofahrer) noch was von »Es muss klar sein, dass Raserei kein Kavaliersdelikt ist. Man schämt sich heute dafür, wenn man betrunken am Steuer erwischt wird. Wenn man mit zu hohem Tempo erwischt wird, wird das eher noch belächelt.« Und weiter unten steht dann so ein Satz. Das klingt für mich eher nicht so, als ob man da die Hand umdrehen müsste. Eher klingt das so, als wenn jeder nach seinen ganz eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten gegen die StVO verstößt. Warum dann also der erhobene Zeigefinger vor allem gegenüber Radfahrern?

Bedarf gibt es auch beim Radverkehr

Was aber nicht heißen soll, dass deswegen bei Radfahrern alles in bester Ordnung sei. »Wir machen immer wieder Schwerpunktkontrollen, etwa gegen das Geisterradeln.« trifft den Nagel, bezogen auf die Verhaltensweisen von Radfahrern tatsächlich auf den Kopf. Das ist tatsächlich die von Radfahrern zu verantwortende Top-Unfallursache. Zusammen mit den Rechtsabbiegerunfällen, die meistens von Autofahrern verursacht werden, sind das die beiden dicksten Brummer. Da gibt es also auch den größten Bedarf einer Änderung. Aber die muss letztlich im Kopf stattfinden, damit sie auf der Straße wirken kann.

Mit »Ich meine, dass es sehr wichtig ist, mit den Kindern das richtige Verhalten zu üben. Ich kann mich selbst noch gut an den Fahrradführerschein erinnern, den ich als Kind auf dem Übungsplatz am Senkelbach gemacht habe.« hat er schon recht, aber das reicht nicht. Auch da kann bzw. muss man mehr tun: Auch bei Erwachsenen, die eigentlich genau wissen müssten, wie der Hase läuft, gäbe es Nachholbedarf. Die fahren trotz irgendwann mal erworbener echter Fahrerlaubnis zuweilen total daneben. Und das nicht nur mit dem Rad.

Früh übt sich

Der Rat »Wir müssen mit den Kursen schon an Ostern beginnen und sie dauern bis in den November.« greift auch etwas zu kurz. Sicher, drei oder vier Wochen vor den großen Ferien anzufangen ist viel zu spät. Aber die Lehrkräfte in der Herrenbachschule haben die Erfahrung gemacht, dass es schon viel früher mit dem Radfahren los gehen müsste. Es hat z. B. keinen Wert, wenn viele der Kleinen seit der ersten Klasse vom Mamma-Taxi in die Schule gebracht werden. (Dabei am besten noch die anderen Kinder mit dem Blechkasten gefährdend.) Sie haben dann bis zur vierten Klasse praktisch keine Erfahrungen im Straßenverkehr gemacht und mit dem Rad fallen sie mehr hin als zu fahren. Inzwischen ist es oft so, dass in der vierten Klasse gar nicht erst an Verkehrserziehung auf dem Übungsplatz zu denken ist, weil sie schlicht nicht richtig ihr Rad fahren können. Also sollte man früher anfangen. Aber auch nicht in der vierten Klasse aufhören...

Letztlich trifft es uns alle

In einem Punkt muss ich aber voll zustimmen: »Was alle lernen sollten, nicht nur Kinder, ist Rücksicht. Mit etwas mehr Gelassenheit im Straßenverkehr wäre vieles einfacher.« Volle Punktzahl! Aber das kriegt man nicht dadurch hin, indem man auf eine Verkehrsteilnehmergruppe mit dem Finger zeigt. Wenn schon wieder ein sinngemäßes »Ach, immer die Radfahrer...« in der Zeitung steht, warum sollte Klaus Müller mit seinem 3er BMW dann ein besseres Bild von dem haben, der ihn gerade daran hindert, mit viel Tempo durch die 30er Zone zu brettern? Natürlich wird sich dann am »Verkehrshindernis« mit heulendem Motor unter Missachtung sämtlicher Sicherheitsabstände vorbei gedrückt, am besten noch mit lautem Gehupe garniert. Bei nächster Gelegenheit wird dieser belästigte Radfahrer dann auf den Gehweg ausweichen, weil man sich diese Behandlung auch nicht bieten lassen will. Womit er dann wieder mit den Fußgängern aneinander gerät. Und schon haben alle wieder ihr Hassobjekt gefunden. Das kann der ADFC nur ablehnen. In diesem Sinne: Am besten selbst darauf hinwirken, dass eine gewisse Deeskalierung stattfindet. Der nächste Fahrzeugwechsel bzw. Fußmarsch kommt bestimmt und dann sitzt man auf ein mal im anderen Boot. Das ist zumindest meine unmaßgebliche Meinung... ;-)

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