Nav Ansichtssuche

Navigation

Verkehrspolitisches Grundsatzprogramm des ADFC Augsburg

Unsere Grundsätze

Das Rad ist Grundbaustein einer lebenswerten Stadt

Der ADFC Augsburg sieht eine lebenswerte Stadt als Grundbedürfnis ihrer Be­wohner an. »Städten mit guten Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer wird eine hohe Lebensqualität zugeschrieben, während Städte mit starkem Autoverkehr als unattraktiv empfunden werden. Es muss also etwas dafür getan werden, Städte lebenswert zu gestalten.«[1] 23 % der deutschen Haus­halte haben kein Auto zur Verfügung, bei den Singles liegt dieser Wert sogar bei 43 %[2]. Diese Menschen sind auf eine nah- und radverkehrsfreundliche Stadtgestaltung angewiesen. 82 % der Deutschen wollen keine autogerechte Stadt mehr ha­ben.[3] Im Sinne der Verkehrswende sind die Bürger hier offenbar schon viel weiter als die planenden und entscheidenden Gremien in Verwaltung und Politik.

Wir sehen das Rad als elementaren Baustein einer intelligenten Mobilität und damit auch der notwendigen Verkehrswende:

Radfahren macht Spaß, ist gesund, schnell, praktisch und günstig. Und vergleichsweise ungefährlich. Trotzdem zeigt ein Blick in die Unfallstatistik von Augsburg, dass es nicht vollkommen gefahrlos ist. Im Schnitt kommt jedes Jahr wenigstens ein Radfahrer allein im Stadtgebiet Augsburg ums Leben. (Unfallstatistik der Polizei 2014, Seite 59) Jetzt könnte man achselzuckend argumentieren, dass man ja immer ein Restrisiko habe. Die Aussage wäre sicherlich richtig, aber die Getöteten sind im Wesentlichen ja nur die Spitze des Eisbergs. Sieht man sich die Zahlen der Verletzten an, wird deutlich, dass es noch eine Menge Nachholbedarf in Sachen Unfallvermeidung gibt. Da sieht der Mittelwert der letzten 11 Jahre nämlich nicht mehr so rosig aus: Fast 500 Radfahrer werden jedes Jahr verletzt. Die Dunkelziffer aller nicht von der Polizei erfassten Unfälle würde diese Zahl jedoch sicherlich noch weiter in die Höhe treiben.

Am 10.12.2015 wurde zwischen dem Kreisverkehr am Mediamarkt Gersthofen und der Biberbachstraße eine 54-jährige Frau bei einen Unfall mit einem rechtsabbiegenden LKW getötet. Als Mahnmal wurde dieses Ghost-Bike aufgestellt. Wir bitten darum, im Andenken an die Verstorbene, dieses Ghost-Bike respektvoll zu behandeln.

Ghost-Bike in Gersthofen am Mediamarkt

Wir wünschen allen Angehörigen und Hinterbliebenen und ebenso dem LKW-Fahrer die Kraft, mit diesem Verlust umgehen zu können. Worte können hier nur wenig trösten. Was bleibt ist die Erinnerung daran wach zu halten, dass es hier um Menschenleben geht und sich dafür einzusetzen, dass so etwas nicht wieder vorkommt.

Das Ghost-Bike soll nicht nur daran erinnern was hier geschah sondern auch mahnen, dass es in Augsburg noch viel zu tun gibt, um die Verkehrssicherheit von Fuß- und Radverkehr zu gewährleisten. Verkehrsplanung und gegenseitige Rücksichtnahme müssen dazu Hand in Hand gehen. Gerade eine durchdachte Verkehrsplanung ist die Grundlage für sicheres Radfahren. Wir wünschen uns auf diesem Wege auch eine Verbesserung der Umstände, damit Unfälle dieser Art nicht wieder geschehen. Denn eigentlich möchten wir keinen Anlass haben, um Ghost-Bikes aufzustellen. Für weitere Hintergründe, siehe auch der Artikel Rechtsabbieger, Radwege und Geisterräder.

Über die EU wird ja oft und gerne geschimpft. Zu viel Bürokratie, mehr ein Wirtschaftszusammenschluss als ein politischer oder kultureller, uswusf.. Dabei bietet die EU durchaus auch Seiten und Vorgaben, die im besten Sinne für den Bürger gedacht sind. Eine davon ist die »Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm«. Man könnte jetzt hier wieder die alte Lärm-macht-Krank-Keule raus holen. Aber im Prinzip wissen wir ja eigentlich alle, warum man auf die Idee kommt, Lärm zu verringern.

Ein Grundproblem unserer modernen Zivilisation ist die zunehmende Vereinnahmung des öffentlichen Raumes durch KFZ-Verkehr mit allen seinen Begleitproblemen, wie Abgasen, Platzverbrauch, latente Gefahr durch den motorisierten Individualverkehr, aber eben auch dessen Lärm. Die Debatte pro Auto, kontra Auto, pro Rad, kontra Rad, pro ÖPNV, kontra ÖPNV greift dabei aber eigentlich zu kurz. Der ADFC steht für eine intelligente Mobilitätskultur, die sich zum Ziel gesetzt hat, dass der gemeinsame Lebensraum und insbesondere die Städte, lebenswert sein sollen, und zwar für alle. Quasi statt einer Auto- oder Fahrrad-gerechten Stadt sollte sie in erster Linie menschengerecht sein. Interessanterweise sind die Leute sich an dieser Stelle eigentlich sogar recht einig, dass das Auto nicht (mehr) die Antwort sein kann, auch wenn das gerne mal anders dargestellt wird. In der Umfrage »Umweltbewusstsein in Deutschland 2014« gaben immerhin 82 Prozent der Befragten an, dass sie sich eben gerade nicht eine autozentrierte Stadtplanung wünschen, sondern eher eine »Abkehr vom Autoverkehr und Hinwendung zum öffentlichen Nah- und Fahrradverkehr sowie zu kurzen Fußwegen als einen positiven Beitrag zur Lebensqualität«. Das ist ganz im Sinne des ADFC aber auch des Lärmschutzes.

Zusätzliche Informationen