Vor kurzem gab es in der Augsburger Allgemeinen einen Kommentar mit dem Titel »Von der Bedeutung des Autos in der Fahrradstadt« zu lesen. Darin wurde unter Anderem darüber sinniert, dass man Autofahrer nicht benachteiligen dürfte, dass der Fahrradhändler Bäuml seinen Umzug ins Lechhauser Industriegebiet mit zu wenigen Parkplätzen begründet und dass die B17-Sanierungsphase ein Sorgenkind für die lokale Wirtschaft sei.

Aber eine Frage stellt sich bei alledem schon: Welche Bedeutung hat denn der Radfahrer in einer Fahrradstadt für die ortsansässigen Händler? Die Frage wird umso interessanter, wenn man sich das Ziel der Fahrradstadt 2020 einmal vor Augen hält. Bis 2020 soll ein Viertel aller Wege mit dem Rad in Augsburg zurück gelegt werden. Das ist nicht nur ein ehrgeiziges Ziel, das wäre auch ein gewaltiger Anteil am Modalsplit. Jeder vierte potenzielle Kunde wäre dann mit dem Rad unterwegs. Und daraus kann man eigentlich sehr leicht folgern: Wer diese Gruppe einfach ignoriert, enthält sich auch ganz schnell einen großen Teil des Umsatzes selbst vor, wenn er der Meinung ist, dass diese Gruppe für ihn völlig uninteressant ist.

Auch im Jahr 2015 scheinen die Einzelhändler ihre Problemlösungen vor allem in noch mehr KFZ-Verkehr zu sehen und sind dann verständlicherweise etwas beunruhigt, wenn eine Stadt Augsburg sagt, sie möchte davon nicht mehr so viel haben, dafür mehr Radverkehrsanteil. Aber das ist dann ja eigentlich nur eine Gelegenheit: Man muss diese Leute dann eigentlich nur mitnehmen, nur zugreifen. Nur weil jemand mit dem Rad von A nach B fährt, ist er nicht weniger Kunde oder weniger für den Händler interessant. Es gibt bereits Untersuchungen zu diesem Thema, die das ebenfalls nahelegen. Zwar ist der durchschnittliche Einkauf eines Radfahrers nicht genau so teuer, wie der eines Kunden der mit dem PKW gekommen ist. Dagegen sind sie im Schnitt treuere Kunden, kommen also eher wieder, und kommen noch dazu häufiger wieder.

Und genau das sollten ja eigentlich die Kronjuwelen eines jeden Händlers sein, die Stammkunden, die immer und immer wieder Geld bei ihm lassen. Der Händler muss also eigentlich wirklich nur zugreifen. Dann sind Konkurrenten wie der Online-Handel, die Einkaufscenter und Gewerbegebiete am Stadtrand auch nicht mehr so ein Problem. Dazu reicht es aber nicht, wenn man sich als Händler auf das alte Mantra »mehr und billigere Parkplätze« beschränkt. Man muss eben auch attraktive Angebote schaffen, die keine Parkplätze benötigen. Oft unterschätzt und gerade vom Stammkunden geschätzt, sind die gewissen Alleinstellungsmerkmale und Vorzüge, die Online-Handel & Co. so nicht bieten können.

Das kann die besondere Auswahl sein, das kann die gute Beratung sein, und allen voran: Wenn man für Kunden ganz allgemein leicht erreichbar ist. Insofern ist es sicherlich richtig, wenn man vielleicht nicht gerade bewusst Autofahrer vergraulen sollte. Aber deshalb so zu tun, als wenn alle anderen egal sind, ist sicher auch nicht zielführend. Nicht jeder hat Lust, raus an den Stadtrand zu fahren, um etwas zu besorgen. Dann kann ich ja gleich im Netz bestellen. Eine Wertschätzung sollte also auch dem Radverkehr entgegen gebracht werden, da dieser einen erheblichen Anteil am Umsatz beitragen kann. Die Stadt tut also eigentlich genau das, was sie sollte: Sie versucht auch andere Kundenkreise anzulocken, zum Beispiel indem sie die Gegebenheiten auch für den Radverkehr ansprechend zu gestalten versucht. In diesem Sinne, liebe Händler: Greift zu! Die Fahrradstadt lohnt sich auch für euch.

P. S. Und für alle, die jetzt immer noch nicht überzeugt von den Möglichkeiten des Einkaufens mit dem Rad sind: Selbst Waschmaschinen kann man per Rad aus dem Elektromarkt abtransportieren. Da kommt noch was auf euch zu!